EUDR im Shopify-Shop: Sortiment richtig prüfen

EUDR im Shopify-Shop: Sortiment richtig prüfen

Thinkideas Insights News – Titelbild: EUDR im Shopify-Shop: Sortiment richtig prüfen
Thinkideas Insights News – Titelbild: EUDR im Shopify-Shop: Sortiment richtig prüfen

Lesezeit: 7 Minuten

Die EU-Entwaldungsverordnung wird für die meisten betroffenen Unternehmen ab dem 30. Dezember 2026 praktisch relevant. Kurz vor dem Geltungsbeginn hat die EU den Produktumfang nochmals präzisiert – damit reicht eine grobe Prüfung nach Materialien nicht mehr aus.

Shopify-Händler sollten jetzt klären, welche Artikel tatsächlich erfasst sind, welche Rolle sie je Lieferkette einnehmen und wo die notwendigen Nachweise gespeichert werden.

Kurz & kompakt

✓ Die EUDR erfasst nur Produkte, die über ihre Zolltarifposition in Anhang I fallen.

✓ Für die meisten Pflichten gilt der 30. Dezember 2026 als Starttermin.

✓ Kleine Marktteilnehmer können unter engen Voraussetzungen bis zum 30. Juni 2027 Zeit haben.

✓ Direktimporte machen einen Shopify-Händler häufig zum Marktteilnehmer mit umfassender Sorgfaltspflicht.

✓ Beim reinen Weiterverkauf aus der EU stehen Lieferantendaten und Referenznummern im Vordergrund.

Was sich kurz vor dem Start geändert hat

Die Delegierte Verordnung (EU) 2026/2102 ist am 18. September 2026 in Kraft getreten. Sie konkretisiert den Anhang I der EUDR, grenzt einzelne Rohstoffe genauer ab und verändert die Liste der betroffenen Erzeugnisse.

Unter anderem werden Bambus, Rattan und bestimmte andere holzige Materialien vom Rohstoff Holz abgegrenzt. Auch synthetischer Kautschuk, Leder bestimmter Zollpositionen sowie verschiedene Erzeugnisse mit nur geringem Bezug zum Entwaldungsrisiko sind nicht oder nicht mehr erfasst.

Daneben gelten Klarstellungen für Proben, Prüf- und Analyseprodukte, Verpackungen, Marketingmaterialien, Abfälle und gebrauchte Produkte. Die jeweilige Ausnahme hängt jedoch von der tatsächlichen Verwendung und der konkreten Einreihung ab – nicht allein von der Produktbezeichnung im Shop.

Wichtig

Ein Materialhinweis wie Holz, Kakao oder Naturkautschuk beweist weder, dass ein Produkt erfasst ist, noch dass es außerhalb der EUDR liegt. Maßgeblich sind der aktuelle Anhang I, der HS- beziehungsweise KN-Code und teilweise die verwendete Rohstoffart.

Welche Shopify-Sortimente betroffen sein können

Die EUDR bezieht sich auf bestimmte Produkte aus Rindern, Kakao, Kaffee, Ölpalmen, Kautschuk, Soja und Holz. Für Onlineshops können darunter beispielsweise Kaffee, Schokolade, bestimmte Möbel, Holzwaren, Papierprodukte oder Waren aus Naturkautschuk fallen.

Entscheidend ist aber stets, ob der konkrete Artikel in Anhang I aufgeführt ist. Ein Schokoladenprodukt kann etwa wegen seines Kakaoanteils erfasst sein, während ein anderes Produkt mit Palmöl nicht automatisch unter die Verordnung fällt.

Sortiment nicht nur nach Kategorien filtern

Beginnen Sie mit einem Export aller aktiven Produkte und Varianten. Ergänzen Sie anschließend Zolltarifposition, relevante Rohstoffe, Herkunft des Lieferanten und das Land, aus dem die Ware erstmals in die EU gelangt.

Auch inaktive Produkte sollten einbezogen werden, wenn sie nach dem Stichtag wieder verkauft werden könnten. Prüfen Sie zudem Bundles und Sets auf Ebene der enthaltenen Einzelprodukte.

Prüffrage

Typischer Fall

Nächster Schritt

Anhang-I-Code?

Kaffee, Schokolade, Holzmöbel

KN-Code bestätigen

Direktimport?

Einkauf außerhalb der EU

Marktteilnehmerrolle prüfen

EU-Lieferant?

Ware bereits in der EU

Lieferkettendaten anfordern

Ausnahme?

Probe, Verpackung, Secondhand

Verwendung dokumentieren

Ihre Rolle entscheidet über den Aufwand

Die EUDR unterscheidet zwischen Marktteilnehmern, nachgelagerten Marktteilnehmern und Händlern. Ein Shopify-Unternehmen kann je Produkt unterschiedliche Rollen haben – eine einmalige Einstufung des gesamten Shops ist daher häufig zu grob.

Direktimport aus einem Drittland

Führt Ihr Unternehmen ein erfasstes Produkt selbst in die EU ein und bringt es hier erstmals in Verkehr, ist es regelmäßig Marktteilnehmer. Dann müssen Sie vor dem Inverkehrbringen die Sorgfaltspflicht erfüllen und grundsätzlich eine Sorgfaltserklärung im EU-Informationssystem übermitteln.

Dafür sind unter anderem Produktinformationen, Mengen, Erzeugerländer, Geolokalisierungsdaten der Erzeugungsflächen sowie eine Risikoanalyse erforderlich. Ein Lieferantenzertifikat allein ersetzt diesen Prozess nicht.

Einkauf bei einem EU-Großhändler

Kaufen Sie bereits in der EU bereitgestellte Ware ein und verkaufen diese unverändert weiter, sind Sie typischerweise Händler. Dann müssen Sie insbesondere die vorgeschriebenen Angaben zu Lieferanten und gewerblichen Abnehmern erfassen und mindestens fünf Jahre aufbewahren.

Nur wenn Ihr direkter Lieferant selbst der vorgelagerte Marktteilnehmer ist, gehören grundsätzlich auch die übermittelten Referenznummern der Sorgfaltserklärungen oder entsprechende Erklärungskennungen zu diesen Informationen. Verkäufe an private Endkunden erzeugen keine Pflicht, deren Daten als nachgelagerte Abnehmer für diesen Zweck zu erfassen.


EUDR-Nachweise entlang der Lieferkette bis zur Shopfreigabe

Verarbeitung und Private Label

Wenn Sie ein relevantes Erzeugnis in ein anderes relevantes Erzeugnis umwandeln, können Sie nachgelagerter Marktteilnehmer sein. Bei Private-Label-Produkten ist deshalb zu klären, wer produziert, wer importiert und welches Unternehmen das konkrete Erzeugnis erstmals auf dem EU-Markt bereitstellt.

Praxis-Check

Fragen Sie nicht nur, ob der Lieferant EUDR-konform ist. Lassen Sie sich für jede betroffene Produktgruppe bestätigen, wer Marktteilnehmer ist, welcher KN-Code verwendet wird und wie Referenznummern oder Erklärungskennungen an Sie übermittelt werden.

Welche Frist für Ihren Shop gilt

Die zentralen Verpflichtungen gelten grundsätzlich ab dem 30. Dezember 2026. Für Marktteilnehmer, die spätestens am 31. Dezember 2024 als natürliche Person, Kleinstunternehmen oder kleines Unternehmen in der maßgeblichen Größenklasse niedergelassen waren, verschiebt sich der Start grundsätzlich auf den 30. Juni 2027.

Diese Verlängerung gilt nicht für Produkte, die bereits vom Anhang der früheren EU-Holzverordnung erfasst waren. Zudem darf ein kleiner Shop die spätere Frist nicht pauschal auf jede Tätigkeit übertragen: Entscheidend sind Unternehmensgröße, Gründungszeitpunkt, Produkt und die konkrete Rolle in der Lieferkette.

So strukturieren Sie die Daten in Shopify

Shopify stellt kein vollständiges EUDR-Sorgfaltspflichtsystem bereit. Produkt-Metafelder eignen sich jedoch, um interne Prüfdaten strukturiert am Artikel oder an der Variante zu hinterlegen und betroffene Produkte im Adminbereich zu filtern.

Sinnvolle interne Felder sind etwa EUDR-Status, KN-Code, relevanter Rohstoff, Lieferantenrolle, eigene Rolle, Referenznummer, Nachweisstand und Datum der letzten Prüfung. Umfangreiche Dokumente und Geodaten sollten in einem kontrollierten Ablage- oder Compliance-System gespeichert und über eine eindeutige Produkt- und Lieferchargenkennung verknüpft werden.

System-Tipp

Trennen Sie dauerhaft gültige Stammdaten von chargenbezogenen Nachweisen. Der KN-Code kann am Produkt liegen; Referenznummern, Lieferdatum und Herkunftsnachweise müssen dagegen der tatsächlich bezogenen Ware eindeutig zugeordnet werden können.

Was Shopbetreiber jetzt prüfen sollten

✓ Exportieren Sie aktive, inaktive und saisonale Produkte einschließlich Varianten und Bundles.

✓ Ordnen Sie jedem Verdachtsfall einen aktuellen HS- oder KN-Code und den relevanten Rohstoff zu.

✓ Bestimmen Sie Ihre Rolle separat für jede Lieferkette und jedes Importmodell.

✓ Fordern Sie von direkten Lieferanten einen klaren Prozess für Referenznummern und Produktzuordnung an.

✓ Definieren Sie in Shopify einheitliche Metafelder für Status, Rolle und Nachweisstand.

✓ Legen Sie fest, wie Unterlagen mindestens fünf Jahre auffindbar und mit Warenbewegungen verknüpft bleiben.

✓ Blockieren Sie neue Direktimporte, solange erforderliche Herkunfts- und Geodaten fehlen.

Planen Sie außerdem einen Freigabeprozess für neue Produkte. Einkauf oder Merchandising sollten erfasste Artikel nicht aktivieren können, bevor Zolltarifposition, Lieferkettenrolle und Nachweisweg geklärt sind.

Thinkideas View

Shopify-Händler sollten die EUDR nicht als zusätzliche Textinformation auf Produktseiten behandeln, sondern als Freigabelogik im Produkt- und Einkaufsprozess. Priorisieren Sie Direktimporte und unklare Zolltarifpositionen; dort ist das Risiko eines Verkaufsstopps am höchsten.

Fazit

Der EUDR-Start Ende 2026 betrifft nicht pauschal jedes Produkt aus Holz, Kakao oder Kautschuk. Relevant sind der aktuelle Anhang I, Ihre Rolle in der Lieferkette und die belegbare Zuordnung von Nachweisen zur Ware.

Beginnen Sie mit einer sortimentsweiten Code- und Rollenprüfung. Erst danach lässt sich entscheiden, welche Shopify-Datenfelder, Lieferantenprozesse und externen Nachweissysteme tatsächlich benötigt werden.

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